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Einführung in die Fallbeispiele:
Hier sehen Sie Bilder und Fotos aus meiner Seminar-
und Therapiearbeit. Im Gespräch auftretende Themen oder
Innere Personen werden durch Scheiben oder Rechtecke
symbolisiert und in Bezug zum Klienten gesetzt. Dieser legt
auch für seine Person ein Symbol. Während der Sitzung können
sich diese Plätze immer wieder verändern. Sei es, dass der
Klient einen Impuls hat oder ich einen Vorschlag mache. Er
steht immer wieder eine Zeit auf seinem Platz im
dargestellten System und kann so Verbindung aufnehmen zu
einzelnen Aspekten oder Inneren Personen. Die Bilder sind
eine Momentaufnahme und spiegeln den augenblicklichen Stand
der Arbeit des Klienten mit seiner Psyche wieder. Oft kommt
es vor, dass in weiteren Sitzungen Symbole zusammen kommen,
da sie verschiedene Aspekte einer Inneren Person sind oder
der Platz sich in Bezug zum Menschen verändert.
Max gefangen zwischen Kampf und Resignation
Das rote Viereck steht für eine Innere Person die als
energiegeladener Kämpfer aber auch als Wächter in Max System
wirkt. In der ersten Sitzung war dieser Kämpfer und Wächter
sehr aktiv und machte schnell klar, dass er hier sei, um die
Probleme von Max, seine schwarzen Löcher wie er es nannte,
möglichst schnell in den Griff zu bekommen. Dieser Wächter
stellte aus seiner Sicht dar, dass Max sonst ziemlich
erfolgreich sei und sehr gut das Leben meistern würde.
Nach einer weiteren Sitzung meldete sich jemand aus Max
System, hier im Bild symbolisiert durch den blauen Kreis,
der sich Sorgen um Max machte, der sich um die Kleinigkeiten
in dessen Leben kümmerte, wir nannten ihn den
Alltagsmeister. Er erzählte, dass er wie zerrieben würde
zwischen dem forschen Kämpfer vorne und einer inneren Kraft
die ihm im Nacken säße. Man konnte gut spüren, wie sich
Erschöpfung breit machte und das erste Mal war von den
Depressionen etwas zu spüren, wegen denen der Klient ja
eigentlich gekommen war. Nach der intensiven Beschäftigung
mit dem Alltagsmeister, der sagte, dass er es allen recht
machen wolle wurde klar, dass dahinter noch jemand wirkt und
der Alltagsmeister nicht ein Entscheidungsträger im
psychischen System von Max ist.
Der Zugang zu dieser Seite war schwierig, da sich psychisch
eine Mauer der Abwehr aufbaute. Der einzige Zugang erfolgte
über den Alltagsmeister, der angesichts der deutlich stärker
zu spürenden Mauer immer verzweifelter und resignierter
wurde und sich gleichzeitig immer mehr anstrengte, dass es
im Leben von Max weiterhin reibungslos lief.
Es schaltete sich auch der Kämpfer ein und wurde ungeduldig
und nahm eine sehr abwertende Haltung gegenüber Max ein. Max
konnte spüren und erleben, dass er in diesem Zustand schon
sehr lange war und ihm wurde klar, dass die Aufmerksamkeit
auf diesen Anteil gelenkt werden musste, der für dieses
Spannungsfeld sorgte zwischen dem sich abrackernden
Alltagsmeister der resigniert war und dem antreibenden
Kämpfer und Wächter.
Einige Sitzungen später zeigte sich die Innere Person hinter
der Mauer (symbolisiert durch den blauen Kreis auf schwarzem
Untergrund). Sie hatte eine hohe energetische Ausstrahlung
und sprach sehr wenig. Man konnte spüren, wie machtvoll sie
war in ihrer Verweigerung und ihrer Isolation. Behutsam und
vor allem mit dem nötigen Respekt war es in der Therapie
möglich, sich dieser Innere Person zu nähern.
Zum Zeitpunkt des Bildes war die Mauer noch sehr spürbar und
der erste Kontakt mit der Inneren Person dahinter hatte
stattgefunden.
Constanze in Kontakt mit ihrer Matriarchin
Hier
sehen wir die lebensgroß gemalte Innere Person einer
Klientin. Constanze hatte schon über einen längeren Zeitraum
mit Ihrem System gearbeitet. In der Therapie wurden einige
Innere Personen schon erforscht. Die hier gemalte zeigt eine
Innere Person die aus dem hinteren Raum der Psyche so
langsam ins Bewusstsein von Constanze rückte. Merkmal dieser
Person ist es, wie unsichtbar zu bleiben und sich nur vage
zu äußern. Im Leben der Klientin führt dies dazu, dass sie
viele Impulse, Ziele und Ideen in ihrem Leben nicht
weiterverfolgte, weil sie in einen bequemen Zustand der
Zufriedenheit verfiel der aber auch schnell in Lähmung
umschlug. Constanze hatte schon viel Therapiearbeit gemacht,
um nicht immer wieder zu „versacken“.
Erst in der intensiven Beschäftigung mit dieser sehr
machtvollen Inneren Person wurde klar, dass diese viele
Impulse von Constanze ruhig hält und nur wenig zulässt an
spontanen Bewegungen. In dem Bild wird deutlich, dass diese
Innere Person sich wie eine Urmutter sieht, die Haare sind
die Flüsse der Welt, unten das Schwarze ist das Gestein der
Erde in das sich die Wurzeln schlagen. In Ihrer Mitte ist
sowohl das Magma als auch ihre persönliche Wut. Dies ist die
Stelle, an der das Bild für die Klientin am persönlichsten
ist. Diese Innere Person hatte lange Zeit die Haltung, dass
sie einfach nur ruhig und fast unsichtbar das Leben
aussitzen möchte, da sie nur ihre Ruhe wollte. In dieser
Ruhe war sie sehr kraftvoll und hat große Teile des Lebens
von Constanze kontrolliert in dem sie bestimmte, wie viel
Energie die Klientin zur Verfügung hatte.
Durch das Sichtbarmachen dieser kraftvollen Energiemeisterin
konnte Constanze sich direkt auf sie beziehen und den
Kontakt halten. Sie hat ihre Aufmerksamkeit über viele
Monate hinweg, unterstützt durch einzelnen
Therapiesitzungen, auf diese Innere Person gerichtet, das
Bild war der Anker dazu. So gelang es ihr nach und nach, die
Themen zu erkennen, die hier getragen werden und nicht mehr
direkt mit der Außenwelt kommuniziert werden. Es ging um den
Kampf der Frau mit der Welt. Wie ein Urthema der Menschheit
wirkte das. Erst als diese Innere Person sich wieder daran
erinnerte, dass sie einst Ziele hatte und in der Welt etwas
erreichen wollte, wurde sie bereit, ihre Nein-Haltung dem
Leben gegenüber langsam aufzugeben.
Es war nötig, sich mit solch einer zentralen Inneren Person
über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Dies hatte
dann für Constanze auch konkrete Auswirkungen in ihrem
Leben, sie ging plötzlich Pläne an die sie schon lange hatte
und realisierte diese in relativ kurzer Zeit auch
erfolgreich. Die Energiemeisterin gab Stück für Stück Kraft
aus der Lebensenergiequelle frei. Nicht von heute auf morgen
oder überstürzt, sondern aus ihrer eigenen Entscheidung
heraus, aus einer kraftvollen Position.
Ramona zwischen Feenwelt und Herrscherin
In
der Aufstellung des inneren Systems der Klientin (Ramona)
wurde sie selbst durch den blauen Kreis symbolisiert. Vor
ihr die hellgrünen Symbole standen für Innere Personen die
sehr an Feen erinnerten. Sie wirkten zart und durchscheinend
wie aus einer magischen Welt. Der runde hellgrüne Kreis
steht für die sehr weibliche Ausprägung, die beiden
flankierenden Vierecke sind diejenigen, die im beruflichen
und privaten Alltag diesen weichen und weiblichen Kreis
stützen. Hinten, neben dem blauen Kreis (Ramona),
symbolisierte das graue Rechteck ein diffuses, kraftloses
Lebensgefühl, immer von der Furcht begleitet, ganz in der
Depression (schwarzes Rechteck) zu versinken. Diese Klientin
ist in dieser
Aufstellung noch ganz von ihren Ressourcen abgeschnitten und
erlebt sich als sehr hilflos und mädchenhaft.
Die zweite Aufnahme entstand ca. vier Wochen nach der ersten
Aufstellung. Hier wird deutlich sichtbar, dass in der
Wirkung nach Außen noch ganz andere Kräfte aktiv sind. Die
Klientin hat den Fokus auf Ihrer Hilflosigkeit und
Bedürftigkeit. Umso erstaunter war sie, als in dieser
Sitzung eine Innere Person auftauchte die sehr bestimmt
wirkte und erklärte, dass sie die eigentliche Bestimmerin
bei Ramona sei
(blauer
Kreis auf rotem Untergrund). Die beiden Rechtecke in
Pastellfarben waren wie eine Außenstelle von ihr, damit
Ramona ihr Selbstbild von der zarten hilflosen Person
aufrechterhalten konnte. Deshalb wurde in der Aufstellung
der Platz für die Klientin verlagert, damit der Blick für
die von ihr tabuisierten und abgelehnten Anteile frei werden
konnte konnte. Die gelben Symbole standen für eine Innere
Person die wie ein Kobold, sich in ihrem System frei
umherbewegt und sich nicht festlegen lässt, und immer wieder
die Position verändert. Diese Innere Person war sowohl
anderen als auch ihr selbst gegenüber provokant und suchte
die Reibung.
Diese beiden Aufstellungen waren für Ramona sehr wichtig um
einen Überblick über die Wirkweise ihres Systems zu
bekommen. Ihr Fokus lag meist auf der zarten und hilflos
wirkenden Anteilen und sie war sich dieser anderen Anteile
überhaupt nicht bewusst, diese hatten aber in ihrem Kontakt
mit anderen Menschen eine große Wirkung und führten dazu,
dass sie immer wieder in Konflikte und Auseinandersetzungen
geriet wo sie sich als Opfer sah und anderen böse Absichten
unterstellte.
Erst nach diesen beiden Aufstellungen war es in der Therapie
möglich, sich tiefer mit den einzelnen Inneren Personen im
System zu beschäftigen und die Themen, die damit verbunden
waren zu erforschen. Vor allem war es wichtig, diese
kraftvolle Innere Person kennen zu lernen, auch wenn sie
kontrollierend und sehr dominant wirkte, damit Ramona wieder
ihre Kraft und Energie spüren konnte.
Albert und der Anspruch
Während eines Seminars zum Thema Glaubenssätze entdeckte
Albert, dass ein grundlegender Satz seiner Kindheit war: „Du
bist was ganz Besonderes“. Auf den ersten Blick erscheint
dieser Satz eigentlich nicht bedrohlich oder irgendwie
schädlich für das Kind. In der Arbeit mit dem Teilnehmer
stellte sich aber heraus, dass er sich dafür abwertete,
„diese besonderen Anlagen nicht so zu nutzen, wie das anhand
seiner außerordentlichen Fähigkeiten möglich gewesen wäre.“
Nur, Albert hat sich eigentlich nie als etwas Besonderes
empfunden! Zumindest nicht so, wie seine Eltern das meinten.
In der Aufstellung stand das schwarze Symbol für den Vater,
das gelbe für die Mutter. Die rote Scheibe stand für ihn
selbst. Hinter ihm sind ineinander geschoben sein Kritiker
und die Aussage „Du bist etwas ganz Besonderes“. Im Kurs
konnte er noch einmal nachempfinden, wie es ihm als Kind
ergangen ist, mit dem Blick auf diesen Anspruch und den
Blick auf die Eltern. Er konnte fühlen, wie er es aus Liebe,
vor allem zu seiner Mutter gemacht hat, diesen Anspruch als
seinen eigenen zu nehmen. Albert hatte aber auch die
Möglichkeit –wie hier auf dem Foto- auszusteigen und das
Ganze von außen zu betrachten. Dies ermöglichte Albert
sowohl Empathie mit sich als Jungen, als auch seinen Eltern
gegenüber ein tiefes Verständnis, wie dieser Anspruch, der so
positiv klingt, sich gegen ihn richten konnte.
Aufgrund der beiden ineinander geschobenen Scheiben im
Hintergrund (der Anspruch der Eltern aber auch ein eigener
innerer Kritiker) war zu vermuten, dass es eine Vermischung
zwischen dem Anspruch der Eltern und dem eigenen Anspruch
gab. In späteren Sitzungen zeigte es sich, dass eine Innere
Person von Albert selbst enorm hohe Ansprüche hatte, so
hoch, dass sie der Welt nichts mehr davon mitteilte. Diese
kollidierte mit den Ansprüchen der Eltern. Daraufhin zog
sich diese starke Innere Person zurück, damit Albert keinen
Konflikt mit seinen Eltern hatte. Ein Schritt in den
nächsten Sitzungen war, diese beiden Anspruchsseiten zu
klären, damit sie nicht zusammen ein Gemenge bildeten. Dies
war die Ursache für eine starke Abwertung des Klienten sich
selbst gegenüber obwohl er eigentlich ein gesundes
Selbstbewusstsein hatte und nie verstand, warum er sich
trotzdem so abwertete.
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